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Fadi kocht syrisch – Rezept für ein Kochbuch in nur 8 Wochen

Wie schafft man es, in nur acht Wochen ein wunderschönes Buch wie Fadi kocht syrisch für einen wunderbaren Zweck zu machen, wo doch Verlage viele Monate dafür brauchen? Und was kann man daraus für eigene innovative Projekte lernen? Ich habe das Rezept für Euch aufgeschrieben…

So kurz vor Weihnachten tauscht man, ob in der Familie oder mit Freunden, gerne traditionelle Rezepte aus – für Kekse, Stollen, Glühwein oder aber die Weihnachtsgans. Ich habe heute ein Rezept gleich für ein ganzes Kochbuch für Euch dabei:

Eine kleine Vorgeschichte

Ich bin in einer Branche groß geworden, die sich wie viele andere auf Grund des rasanten technologischen Fortschritts verändern muss. Da diese Entwicklungen das Geschäftsmodell massiv aufbrechen, bleibt für eine geordnete Umstrukturierung jedoch kaum Zeit. Wie kaum einer anderen Branche fällt die digitale Transformation so schwer wie der Verlagsbranche. Mit dem Blick von außen wirkt es häufig ganz unverständlich, was da passiert. Oder eben nicht passiert – so jedenfalls ein häufig geäußerter Eindruck. Die Gründe hierfür sind vielfältig und -schichtig. Der Druck ist hoch, die Strukturen kompliziert, das Personal teilweise unzureichend qualifiziert, die technische Infrastruktur mitunter höchst abenteuerlich. In den letzten Wochen habe ich allerdings erfahren dürfen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Mitteln etwas fast Unmögliches möglich wurde. Ich bin mir sicher, dass man daraus für Innovationsprozesse im Unternehmen lernen kann.

Fadi kocht syrisch – oder wie man in 8 Wochen ein Buch macht

Seit Mitte September engagiere ich mich in einem karitativen Buchprojekt: Fadi kocht syrisch. Zusammen mit dem syrischen Flüchtling Fadi Alauwad wollen wir ein Kochbuch erstellen und verkaufen, dessen Erlöse an die SyrienHilfe e.V. gespendet werden. Fadi Alauwad war in seiner Heimat ein bekannter Fernsehkoch. Er floh 2014 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Aachen. Die Lage der Menschen in Syrien erfordert extrem schnelles Handeln – und aus Marketinggründen sollte das Buch auf jeden Fall zum Weihnachtsgeschäft fertig sein. Wir hatten noch acht Wochen. In einem klassischen Verlag eine undenkbare Situation – in acht Wochen ein Buch mit 120 Seiten inhaltlich und gestalterisch nicht nur zu konzipieren, sondern auch umzusetzen, zu produzieren und zu vermarkten. Mit der nicht zu unterschätzenden Hürde, dass alle Rezepte zunächst vom Arabischen ins Englische und danach ins Deutsche zu übersetzen sind. Im normalen Verlagsgeschäft vergehen von der Buchidee bis zur Auslieferung an die Buchhandlungen durchschnittlich 9 Monate. Mit dem folgenden Erfolgsrezept haben wir es in gerade einmal acht Wochen geschafft:

Zutat 1: Ein Team von 11 digitalen, enthusiastischen Ehrenamtlern mit viel Know-How

Fadi kocht syrisch - Das Team

Man schare ein Team von 11 Enthusiasten um sich – jeder ein Experte auf seinem Gebiet, ausgestattet mit Kompetenzen, die man für ein Buch braucht: Digitale Macherin, Koch, Designerin, Fotograf, Lektorin, Projektbeschleunigerin, Marketing-, Audio- und Social Media-Experten sowie eine Juristin. Eine interessante Mischung, denken Sie jetzt – denn mit einem fast ausschließlich digital-affinen Team soll ein klassisches Print-Produkt entstehen? Das geht – warum? Weil sich diese Menschen neben ihrer fachlichen Qualität durch folgende Softskills auszeichnen: hohe eigene Motivation, Teamfähigkeit, Pragmatismus, Vertrauen ineinander, Flexibilität, Belastbarkeit, Trial-and-Error-Mentalität, Veränderungswillen und kein Ego-Shooter-Verhalten.

Zutat 2: Eine starke gemeinsame Mission

Man gebe diesem Team eine gemeinsame Mission – in diesem Fall: „Hilfe für Kinder in dem durch den Bürgerkrieg schwer gebeutelten Syrien“. Diese Mission ist von gesellschaftlicher Relevanz, berührt persönlich und vereint das Team. Die Menschen vor Ort in einer aussichtslosen Situation durch das eigene Handeln unterstützen zu können, setzt enorme Energien frei.

Zutat 3: Eine virtuelle Projektorganisation

Man ermögliche barrierefreies Arbeiten. Denn ein Team von Ehrenamtlern hat qua definitionem einen entscheidenden begrenzenden Faktor: Zeit. Daher ist es sehr wichtig, dass jeder eigenverantwortlich arbeiten kann, wann und wo er will. Zu bewerkstelligen ist dies nur mit einer virtuellen Projektorganisation. Kern unserer Organisation bildet eine geheime Facebook-Gruppe. Alle relevanten Dokumente liegen in der Dropbox, Marketingplan und ToDo-Listen, die sich permanent dem Projektstatus anpassen, auf Google Drive.

Fadi kocht syrisch - Die geschlossene Facebook-Gruppe

Zugegeben: Manchmal ist es schwer, die Flut an E-Mails, iMessages und WhatsApp-Nachrichten zu bewältigen. Und so kann es passieren, dass Themen untergehen oder unnötigerweise an Komplexität gewinnen. Beim nächsten Mal können wir das noch verbessern, z. B. mit dem Einsatz digitaler Tools wie Slack, Asana oder Trello.

Zutat 4: Agilität im Projekt- und Entscheidungsmanagement

Bei derart engem Timing können nicht alle Projektschritte im Vorfeld geplant oder Entscheidungen lange vorbereitet werden. Die Informationslage ändert sich täglich, neue Anforderungen kommen hinzu, andere werden obsolet. Dann heißt es an vielen Stellen: „Einfach mal machen!“ und „Probleme lösen, wenn sie auftreten“. Das erfordert von allen Seiten Agilität im Handeln, beim Treffen von Entscheidungen, aber allen voran im Kopf. Lars Hahn hat dazu kürzlich  einen schönen Beitrag verfasst, den ich jedem ans Herz legen kann.Arbeiten 4.0 verändert die Welt (1): Agiles Entscheiden. Unter seinen 12 Dingen, die man tun kann, um agil zu entscheiden, ist ein ganz wesentliches „Fehlerkultur etablieren“. Auch ein entscheidender Punkt auf dem Weg zu einem wunderschönen Kochbuch.

Zutat 5: Eine Prise Krisenmanagement

Tritt einmal ein unvorhergesehenes Problem auf, gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zugegeben, in diesem Projekt gab es mitunter schon mächtig große Stolpersteine, aber hier hilft die Hauptzutat Nr. 1 „Das Team“, das gemeinsam durch die tiefsten Täler schritt, vereint in der gemeinsamen Mission und dem unbedingten Willen, es zu schaffen.

Und hier nochmal zusammengefasst das Rezept für ein wunderschönes Kochbuch:

Man nehme:

11 verrückte digitale, enthusiastische Ehrenamtler mit viel Know-How,
eine starke gemeinsame Mission,
eine virtuelle Projektorganisation,
viel Agilität im Projekt- und Entscheidungsmanagement,
eine Prise Krisenmanagement,
durchzogen von viel Vertrauen in sich und das Team.

Und dazu einen guten Schuss Mut!

Und wenn Ihr jetzt nicht nur Lust und Appetit auf neue innovative Projekte in Eurem Unternehmen, sondern auch auf die syrische Küche bekommen haben, dann empfehle ich Euch www.fadikochtsyrisch.de für alle Details zum Kochbuchprojekt oder www.mayersche.de/fadi für Euer persönliches Exemplar.

 

Wir wünschen Euch allen eine schöne Adventszeit!

 

P.S. Dieser Beitrag ist bereits als Gastbeitrag im Blog der Aachen School of Innovation erschienen.
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